2026-06-22

Horror funktioniert am besten, wenn sich die Angst selbstständig macht. Spoiler. Die zentrale Idee von Backrooms besteht in der Frage, was passiert, wenn es Räume gibt, die nicht an die Gesetze unserer Welt gebunden sind. Der Horror entsteht in diesem Fall dadurch, dass wir Individuen beobachten, wie sie an diese Orte gelangen, aber durch unvorhergesehene Umstände nicht mehr aus ihnen entkommen können. Es ist die Angst vor dem Verlaufen im dunklen Wald. Man denkt, dass man einige Aspekte erkennen kann, aber man versteht nicht alle Regeln. Und während man versucht, einen Ausweg zu finden, trifft das Unverständliche auf uns und bedroht uns.

Alles andere in Backrooms ist eine mögliche Form davon. Die Geschichte von einem geschiedenen, wütenden Ehemann, Clark, der in seinem Möbelladen plötzlich ein Tor zu diesen Orten findet. Psychologisch gebrochen sich dort einnistet, an Orten, die anscheinend das Dazwischen bevorzugen und alles Endgültige ablehnen. Gleichzeitig aber auch die Geschichte der Psychotherapeutin, Mary Kline, die sich selbst nicht vergeben kann, weil sie ihre Mutter in die Psychatrie eingewiesen hat und aus Sorge und Neugier um Clark als ihren Patienten an den Orten mit ihrem eigenen Ungewissen konfrontiert wird.

Der Film erzählt die Endpunkte dieser Entwicklungen, springt manchmal zurück, um sie zu kontextualisieren. Aber für mich zeigen diese Charaktere vor allem auf, dass der Film ein Interesse daran hat, psychologische Probleme anhand erinnerter Objekte und Architektur zu visualisieren. Mit den Backrooms werden die eigenen Vorstellungen und Unsicherheiten in Form von Räumen und leblosen umherwandernden Wesen materialisiert.

Für mich ist der Film so unglaublich stark, weil die Metapher von realen Räumen als Repräsentation des eigenen Gehirns so viel Potenzial bietet, erkundet und mit einer Vielzahl verschiedener visueller Effekte gezeigt zu werden. Ich habe schon vor langer Zeit darüber geschrieben, dass der für mich interessanteste Horror meiner Ansicht nach der Horror ist, der sich selbst als Horror ankündigt, aber dessen Zeichen nicht direkt entziffert werden können. Es gibt keinen Serienmörder oder ein Alien, das Menschen auffrisst. Es ist der ins Dunkle hineinragende Eingang, der als Bogen perfekt in die Ecke eines leeren Raumes gemeißelt ist. Es gibt keine Bedrohung außer die Angst davor, wie dieser Bogen dorthin geraten ist und welche Funktion er erfüllen soll.

- Veröffentlicht auf Henry – Xesier: https://xesier.de/2026/06/22/backrooms-2026/

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