Spoiler. Für mich ist Chainsaw Man so eine großartige Welt, weil es fundamental eine Geschichte über den Konflikt von verschiedenen Konzepten ist. Es geht um Denji in einer Welt, in der die Ängste von Menschen Teufeln ihre Macht geben. Je größer also die Angst vor etwas ist, desto mehr kann ein Teufel in der Welt bewirken. Denji trifft in dieser Welt auf einen naiv wirkenden Teufel, der die Form eines süßen Hundes mit Elementen einer Kettensäge angenommen hat. Dieser Teufel nennt sich Pochita und er geht mit Denji einen Vertrag ein, bei dem er seine Macht mit ihm teilt, damit Denji all seine Wünsche im Leben erfüllen kann. Der Kettensägen-Teufel macht dieses Angebot, da er Denji als Individuum schätzen gelernt hat und sehen möchte, was jemand mit seinem Leben anfängt.
In dieser Welt ist Pochita wahrscheinlich der gefährlichste Teufel überhaupt, obwohl die Angst vor Kettensägen zunächst nicht gerade unglaublich bedrohlich wirkt. Ich denke, dass es sich dabei eher um einen visuellen Trick des Autors handelt. Kettensägen machen viel Lärm, sie sind auffällig, sie sind dreckig. Sie sind als Konzept bekannt dafür, etwas zerschneiden zu können, was man mit seiner eigenen Kraft nicht zerstören kann. Und das ist damit seine zentrale Kraft, nicht nur das Zerschneiden von physischer Materie, sondern das Zerschneiden, die Auflösung metaphysischer Konzepte.
Das ist der wesentliche Grund, warum ich diese Welt so faszinierend finde. Neben der Tatsache, dass es darum geht, dass Konzepte gegeneinander kämpfen und wer dabei gewinnen könnte, geht es auch darum, was passiert, wenn sich Konzepte auflösen können und wie diese Macht dazu genutzt wird, eine andere Welt zu schaffen. Pochita ist damit das Konzept, das repräsentiert, dass Konzepte gewaltsam aus der Welt getilgt werden können, mit all ihren Folgen. Das führt zu Fragen wie: Was ist eine Welt ohne Tod? Eine Welt ohne Kontrolle? Eine Welt ohne Hunger? Eine Welt ohne Höhenangst? Eine Welt ohne Dunkelheit?
Auch wenn ich denke, dass Chainsaw Man zwar vernachlässigt, dass ein Konzept und die Angst vor einem Konzept nicht so einfach vermischt werden können, funktioniert das größtenteils aber trotzdem. Es ist interessant in solche Welten einzutauchen, weil sie uns deutlich machen, auf was für Selbstverständlichkeiten wir unsere Welt aufbauen. Und es macht deutlich, dass wir sehr unvorbereitet sind, wenn wir bestimmte Selbstverständlichkeiten verlieren sollten.
Chainsaw Man hat eine Vielzahl von Themen, die mich nicht großartig interessieren. Denji wirkt als Hauptcharakter wie ein Suchtopfer, das immer mehr und mehr vom Leben verlangt und dennoch nicht glücklich werden kann. Es geht um die Frage, was überhaupt ein einfaches, glückliches Leben auszeichnet, auch wenn niemand so wirklich etwas in dieser Welt genießen kann. Für mich sind diese Themen interessante Nebenschauplätze, aber was mich eigentlich interessiert, wird in den letzten Kapitel des nun abgeschlossenen zweiten Teils von Chainsaw Man deutlich.
Mich interessiert es, wenn darüber spekuliert wird, was es bedeutet, nicht sterben, aber aufgefressen werden zu können, wenn ein Konzept wie Tod nicht mehr nur nicht existiert, sondern auch seine Bedeutung verliert, weil man sich dennoch verändert und nicht mehr so weiterexistieren kann, wie man das zuvor getan hat. Es macht deutlich, dass eine Serie wie Chainsaw Man nur Sinn macht, wenn Konzepte mehr sind als menschliche Ideen, wenn sie fundamentale Kräfte der Natur darstellen. Aber durch die Gedankenexperimente in Chainsaw Man bricht auch diese Überzeugung zusammen. Nicht alle Konzepte sind Naturgesetze, es sind Interpretationen für unsere Wahrnehmungen, die wir mit unseren Interpretationen anreichern. Ich denke, dass Chainsaw Man oder andere Horror-Geschichten noch viel Raum nach oben haben, hier anzusetzen und zu erkunden, was es wirklich bedeutet, wenn Konzepte ins Chaos stürzen. Und ich denke, dass uns das dabei hilft, ein besseres Verständnis über unsere Wirklichkeit zu erhalten und demnach besser zu verstehen, wie wir eine Welt erschaffen können, die verschiedene Konzepte und Bedürfnisse zusammenbringt.
- Veröffentlicht auf Henry – Xesier: https://xesier.de/2026/04/04/das-ende-von-chainsaw-man-und-der-zusammenbruch-von-konzepten/
Ich denke, dass ein wesentlicher Aspekt menschlicher Würde darin besteht, im Leben mit seinen eigenen individuellen Eigenschaften von anderen erkannt zu werden. Dieses Gefühl des Gesehenwerdens, von Anerkennung. Ich halte das für eine wichtige Geste, da ich davon ausgehe, dass sie dazu beiträgt, das Wohlbefinden von Menschen positiv zu beeinflussen, indem man sich den anderen Menschen und ihrer Persönlichkeit widmet, nicht einmal, um sie in ihren Zielen zu unterstützen, sondern um ihnen ein Gefühl zu geben, dass sie eingebunden sind, dass sie ein Teil einer Gemeinschaft sind, die für sie da ist.
Nicht jede Handlung jeder Person sollte befürwortet werden, aber für eine erfolgreiche und glückliche Gemeinschaft sehe ich einen großen Nutzen darin, sich überhaupt mit den Werten seiner Umgebung zu beschäftigen, zu verstehen, wie diese Werte entstanden sind und sie dann in ein positives Miteinander zu überführen. Das ist nicht gerade einfach, wenn man Schwierigkeiten damit hat, sich in die verschiedenen Perspektiven einzufühlen und den unterschiedlichen Bedürfnissen von Individuen gerecht zu werden. Aber ich denke, dass es ein notwendiger Schritt ist, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der wir gern leben wollen.
In meinem Alltag komme ich leider selten so weit voran, dass ich die politischen Meinungen und individuellen Gefühlsäußerungen meiner Umgebung hinter mir lassen kann und zu den eigentlichen tieferen Werten vordringe, die sie tiefgreifend bewegen. Ich denke, dass das ein Fehler von mir ist, eine gewisse Scham, sich mit anderen tiefgehender zu beschäftigen, weil ich schon oberflächlich das Gefühl habe, dass ich mich nicht mit ihnen identifizieren kann und dass es möglicherweise zu viel Zeit in Anspruch nimmt, sich auf diese Weise mit jeder Person auseinanderzusetzen. Aber genau dieses Gefühl muss überwunden werden, um ein besseres politisches Empfinden zu schaffen, um die Menschen zu sehen.
Wir müssen darüber hinaus Kindern beibringen, nicht nur mitzufühlen oder Empathie aufzubauen, sondern es muss darum gehen, sich wirklich tiefgreifend für andere Menschen zu interessieren, ein Verständnis dafür aufzubauen, wo sie sich befinden und wie man ihre gesellschaftlichen Fähigkeiten anerkennen und sehen kann. Das fängt damit an, dass man Menschen gegenüber verständlich macht, woran man überhaupt arbeitet, wo sie überhaupt beitragen können. Das fängt damit an, ihnen eine Sprache beizubringen, die Sichtbarkeit schafft und nicht nur unverständliches Rauschen erzeugt, um über Unsicherheiten hinwegzutäuschen.
Mein Wunsch ist es, dass wir besser darin werden, andere zu sehen, weil dieses Gefühl des Gesehenwerdens meiner Ansicht nach einen großen Anteil daran trägt, eine bessere Gesellschaft zu ermöglichen. In meiner Umgebung bemerke ich bereits einige Menschen, die sich dieser Idee anschließen, aber ich sehe auch anderes, zum Beispiel viel fragwürdig-rechtschaffende Wut, die ihrer eigenen Hilflosigkeit Ausdruck verleiht, indem sie die Ähnlichkeiten im Anderen ausblendet. Diese Wut ist für mich schädlich, weil sie für sich einfordert, darüber bestimmen zu dürfen, was die richtige Art zu leben ist, mit dem Anschein, für eine Gesellschaft einzutreten, die gerecht ist. Das darf nicht normal werden, denn das bedeutet, dass alle, die ihren Argumenten nicht sofort folgen, sozial dazu gezwungen werden, sich dieser Wut unterordnen zu müssen. Es ist eine Kapitulation vor sozial koordinierter Gewalt.
Das muss aber nicht so ablaufen. Indem wir als Menschen mehr hinsehen und generell ein Verständnis für die Werte anderer Menschen schaffen, können wir diesem Wut-Gefühl in uns etwas entgegensetzen, das das Zusammenleben insgesamt verbessern kann. Davon bin ich überzeugt.
- Veröffentlicht auf Henry – Xesier: https://xesier.de/2026/03/24/gesehen-werden/
Ich habe mit etwa 12 Jahren angefangen, Webseiten zu programmieren, weil ich anderen Menschen die Dinge zeigen wollte, die mich interessieren. Es gab damals noch keine sozialen Medien, kein YouTube oder Facebook oder Instagram, nicht einmal offene Blogsoftware, die man mal schnell auf einem Server installieren könnte (WordPress ist 2003 erschienen).
Aus diesem Grund habe ich programmieren gelernt, zunächst mit HTML und CSS und auch Flash. Und es war super. Ich hatte keine Ahnung, wie man dieselben HTML-Seiten für dynamische Inhalte benutzen könnte. Jede Seite war einzigartig. Und es hat Spaß gemacht, sich nach und nach verschiedenen Problemen zu stellen. Als Nächstes hat zum Beispiel PHP diese Lücke gefüllt, um modularere Webseiten gestalten zu können. Und das hat sich dann über die Jahre immer weiter so fortgesetzt.
Ich erkenne also ein Problem, das ich nicht wirklich mit den vorhandenen Werkzeugen lösen kann und fange an, mir dafür meine eigenen Werkzeuge zu schaffen. Das ist der Antrieb hinter fast all meinen Programmierarbeiten und vielleicht auch ein Ansporn, über das eigene Leben nachzudenken.
Programmieren bedeutet nicht nur, dass man Code schreibt. Es bedeutet vor allem, Maschinen zu automatisieren und so einzurichten, dass sie dabei helfen, konkrete Ziele zu erreichen. Indem ich also darüber nachdenke, wie ich Computer so einrichten kann, dass sie mein Leben einfacher machen, indem ich mit ihnen Prozesse automatisiere oder indem ich sie dazu bringe, für mich oder andere zu arbeiten, programmiere ich.
Programmieren fühlt sich dabei häufig so an, als wäre man ein Designer oder Erfinder. Man erkennt Schwierigkeiten in seinem Leben und denkt genauer über sie nach. Und je genauer man die Einzelheiten versteht, desto klarer wird auch, was man verändern, was man anpassen, wan man programmieren muss, damit etwas gegebenenfalls so funktioniert, wie es eigentlich sollte.
Wenn du also programmieren lernen willst, geht es nicht darum, sich eine Programmiersprache auszusuchen und kleine Codeschnipsel zusammenzuhacken. Es geht darum, ein Problem näher zu untersuchen und zu recherchieren, wie es gelöst werden kann. Diese Fähigkeit ist es, die es uns ermöglicht, Wunder der Technik zu vollführen, Autos zu bauen, Häuser zu isolieren, in den Weltraum zu reisen. Endlos wirkende Ketten von Problemen, die gelöst werden mussten, damit es uns allen besser gehen kann. Das ist der Grund, warum du programmieren lernen solltest. Damit du dich ebenfalls dazu in die Lage versetzt, Probleme zu erkennen und zu lösen.
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- Veröffentlicht auf Henry – Xesier: https://xesier.de/2026/01/13/und-so-beginnt-es-erneut/